Wann wird das Einkommen angerechnet?

Einnahmen werden in dem Monat angerechnet, in dem sie zufließen. Das bedeutet, dass Ihr Erwerbseinkommen in dem Monat als Einkommen bei der Berechnung des Arbeitslosengelds II angerechnet wird, in dem es auf Ihrem Konto erscheint. Das hört sich logisch an und ist auch unproblematisch, wenn Ihr Einkommen regelmäßig und immer in der gleichen Höhe ist. Diese Regelung führt aber zu Problemen bei Nachzahlungen oder unregelmäßigen Einkünften. Eine Ausnahme von dieser Zuflusstheorie gilt nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, wenn Sie Schadensersatzleistungen erhalten, die lediglich die frühere Vermögenslage wieder herstellen (z.B. für Beschädigung oder Verlust einer Sache). Es handelt sich dabei um den bloßen Ersatz für etwas, was jemand bereits hatte. Damit wird kein Zufluss bewirkt.

Wichtig bei Arbeitsaufnahme: Bekommen Sie Ihr erstes Entgelt erst am Anfang des Folgemonats (z.B. Dezember), so wird Ihnen Alg II trotzdem zu Beginn des laufenden Monats (November) ausgezahlt, da Sie noch bedürftig sind.
Wichtig bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses: Endet Ihr Arbeitsverhältnis in der Monatsmitte, wird bei der Bedarfsermittlung der ganze Monat zugrunde gelegt. Das Ihnen für diesen Monat zustehende Arbeitsentgelt wird dann angerechnet, wann Sie es erhalten. Tipp: Achten Sie darauf, dass Sie Ihr Gehalt / Ihren Lohn / Ihr Honorar spätestens am Ende des letzten Beschäftigungsmonats erhalten.
Wichtig bei ausbleibendem Erwerbseinkommen: Wenn der Arbeitgeber keinen Lohn zahlt, können Sie Alg II beantragen bzw. beziehen. Sie erhalten Alg II als Darlehen (§ 24 SGB II). Beachten Sie allerdings, dass die Tatsache, dass keine Löhne und Gehälter mehr gezahlt werden, ein Indiz für eine Krise des Betriebs ist. Eventuell steht eine Insolvenz an. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Gewerkschaft.

Nachzahlungen: Probleme tauchen dann auf, wenn Nachzahlungen aus Ansprüchen vor dem Alg II-Bezug ausgezahlt werden. Nachzahlungen sind unabhängig von ihrem Entstehungszeitraum in dem Monat zu berücksichtigen, in dem sie zufließen. Lohnsteuerrückzahlungen oder Abfindungszahlungen aus Zeiten vor dem Alg II-Bezug werden als einmalige Einnahmen angerechnet. Das Ministerium für Arbeit und Soziales räumt den Ämtern dann eine Ausnahme ein, wenn es sich bei der Berücksichtigung des Einkommens um eine besondere Härte handeln würde. Diese wäre dann gegeben, wenn
- eine Sozialleistung für einen Zeitraum vor dem Alg II-Bezug durch Säumnis des Leistungsträgers nachgezahlt wird,
-  der Sinn und Zweck der Leistung einer Berücksichtigung als Einkommen entgegensteht
-  eine andere Sozialleistung vorläufig festgesetzt wurde und eine Differenznachzahlung erfolgt,
-  eine Nachzahlung aufgrund eines Widerspruchs oder einer Klage geleistet wird.
Wichtig: Alles Geld, das vor dem Antragsdatum auf Alg II zugeflossen ist, ist Vermögen. Das heißt z.B. dass Arbeitsentgelt oder Arbeitslosengeld, das Ende des Monats ausgezahlt wird, bei der Antragstellung zu Beginn des Folgemonats nicht als Einkommen, sondern als Vermögen berücksichtigt werden darf (lesen Sie dazu mehr im Kapitel: Vermögen). Klären Sie Ihre Außenstände vor Antragstellung!

Aber: Die Nachzahlung wird beim Vermögensbestand mit dazu gezählt. Falls Sie Forderungen aus der Zeit vor dem Alg II-Bezug haben, könnten Sie darauf achten, dass Sie diese erst nach Beendigung der Grundsicherungsleistung erhalten. Dies ist aber nur dann sinnvoll, wenn Sie Alg II nur für eine bestimmte Zeit beziehen werden.