Wann in Rente?

Grundsätzlich ist zu unterscheiden:
¦ Der Zeitpunkt, wann eine Altersrente in Anspruch genommen werden kann,
¦ ob und in welcher Höhe Rentenabschläge zu erwarten sind und
¦ die Höhe der Rente, die sich aus den verbeitragten Entgelten errechnet.

Zunächst muss also geklärt werden, ab wann ein Anspruch auf Rente besteht, d. h. wann öffnet sich die Tür zur Altersrente? Dabei können die Zugangsbedingungen für mehrere Altersrenten gleichzeitig erfüllt werden. Das Sozialgesetzbuch VI kennt folgende Renten wegen Alters:
¦ Regelaltersrente (künftig „Rente mit 67“)
¦ Altersrente für besonders langjährig Versicherte
¦ Altersrente für langjährig Versicherte
¦ Altersrente für schwerbehinderte Menschen
¦ Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit (nur wer vor 1952 geboren ist) und
¦ Altersrente für Frauen (nur wer vor 1952 geboren ist)

Regelaltersrente - Rente zukünftig mit 67 - Wartezeit: Allgemeine Wartezeit von fünf Jahren mit Beitragszeiten und Zeiten aus dem Versorgungsausgleich (Aufteilung von Rentenanwartschaften bei Scheidung). Bis zum Geburtsjahrgang 1946 kann die Regelaltersrente mit 65 Jahren noch abschlagsfrei beansprucht werden. Ab Geburtsjahrgang 1964, sollen die Menschen „in der Regel“ mit 67 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. In der Zwischenzeit regelt eine Tabelle den schrittweise späteren Renteneintritt der Geburtsjahrgänge 1947 bis 1963.

Neue Altersrente für besonders langjährig Versicherte mit 65 Jahren
Wer 65 Jahre alt ist und die Wartezeit erfüllt, kann ohne Abschlag in Rente gehen. Wartezeit: 45 Jahre mit Beitragszeiten und Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung bis zu deren 10. Lebensjahr. Achtung: Bei den 45 Jahren zählen Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld I, Arbeitslosengeld II oder Zeiten aus einem durchgeführten Versorgungsausgleich wegen Ehescheidung ausdrücklich nicht mit, auch wenn hierfür Beiträge zur Rentenkasse gezahlt worden sind. Vorzeitige Inanspruchnahme: Nicht möglich, auch nicht wenn die 45 Jahre vorher erfüllt sind.

Altersrente für langjährig Versicherte ab 67
Wartezeit: 35 Jahre mit allen rentenrechtlichen Zeiten. Vorzeitige Inanspruchnahme: Ab 63 Jahren möglich. Wer vor dem 1.1.1955 geboren und Altersteilzeit vor dem 1.1.2007 vereinbart hat, genießt Vertrauensschutz und kann diese Rente mit 67 in Anspruch nehmen. Die Altersrente für langjährig Versicherte wird in Zukunft der Normalfall werden, wenn eine Rente vorzeitig in Anspruch genommen werden soll.

Altersrente für schwerbehinderte Menschen ab 65 Jahre
Wartezeit: 35 Jahre mit allen rentenrechtlichen Zeiten. Die Anhebung des Renteneintrittsalters beginnt bei dieser Rentenart für ab 1952 Geborene. Für sie gilt: Die vorzeitige Inanspruchnahme ist ab 62 Jahren möglich (Bei Vorliegen von Vertrauensschutz auch ab 60 Jahren möglich). Vertrauensschutz liegt vor, wenn vor dem 1.1.2007 Altersteilzeit vereinbart wurde und zum Zeitpunkt des Renteneintritts eine Schwerbehinderung besteht. Alle bis zum 16.11.1950 Geborene, die am 16.11.2000 schwerbehindert, berufs- oder erwerbsunfähig waren, genießen Sondervertrauensschutz und können noch mit 60 Jahre abschlagsfrei in Rente gehen.
Tipp: Sofern Sie Altersteilzeit vereinbart und Ihren Schwerbehindertenausweis nach dem 16.11.2000 (bzw. erst nach dem 1.1.2007) erhalten haben: Stellen Sie einen Überprüfungsantrag, ob die Schwerbehinderung nicht doch schon am Stichtag 16.11.2000/1.1.2007 vorgelegen hat, (Hintergrund: Das Versorgungsamt stellt den Schwerbehindertenausweis mit dem Datum des Antrags und nicht mit dem Datum aus, an dem die Schwerbehinderung eingetreten ist).

Der Schwerbehindertenausweis (min. 50 %) „lohnt“ sich immer noch für die Rente. Wer den Schwerbehindertenausweis kurz vor Rentenbeginn entzogen bekommt, sollte daher den Rechtsweg (Widerspruch und Klage) voll ausschöpfen. Denn solange das letztinstanzliche Urteil über den Verlust der Schwerbehinderteneigenschaft nicht gesprochen ist, gilt für den Rentenversicherungsträger die bisherige Schwerbehinderung.
 
Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeit
Nur noch möglich für die Geburtsjahrgänge bis 1951. Wartezeit: 15 Jahre mit Beitragszeiten und Zeiten aus dem Versorgungsausgleich. Diese Altersrente ist aber besonders tückisch, weil sie mehrere Vertrauensschutztatbestände mit der Anhebung des frühestmöglichen Renteneintrittsalters vermengt. Wer keinen Vertrauensschutz genießt, kann gar nicht mehr mit 60 Jahren in diese Altersrente gehen (auch nicht mit Abschlag).

Altersrente für Frauen ab dem 60. Lebensjahr (mit Abschlägen)
Nur noch möglich für die Geburtsjahrgänge bis 1951. Diese Rentenart ist ebenfalls ein Auslaufmodell. Wartezeit: 15 Jahre mit Beitragszeiten und Zeiten aus dem Versorgungsausgleich. Besonderheit: In der Zeit ab dem 40. Geburtstag müssen mehr als zehn Jahre (d.h. mind. 121 Kalendermonate) mit Pflichtbeiträgen vorliegen. Hierzu zählen Pflichtbeiträge aus Beschäftigungsverhältnissen sowie Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten, Bezug von Arbeitslosengeld I, Arbeitslosengeld II und Krankengeld. Zeiten aus dem Versorgungsausgleich werden jedoch nicht mitgezählt.
Tipp: Werden Pflegebedürftige in deren häuslicher Umgebung mindestens 14 Stunden wöchentlich gepflegt, können die Pflegenden ab Antragsstellung Rentenanwartschaften erhalten. Zwischen der Pflegeperson und der zu pflegenden Person muss kein Verwandtschaftsverhältnis bestehen. Beispielsweise in der Pflegestufe I ergibt ein Jahr Pflege ca. 7,- € monatliche Rente.

Erwerbsminderungsrente
Rente können Sie auch beanspruchen, wenn Ihre Erwerbsfähigkeit wegen Krankheit oder Behinderung beeinträchtigt ist und Sie in der fünfjährigen Rahmenfrist drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt haben. Für Renten, die seit 2001 beginnen, ersetzt eine zweistufige Erwerbsminderungsrente die bisherige Aufteilung in Berufs- und Erwerbsunfähigkeit.

Rente wegen Todes
Anspruch auf Rente wegen Todes haben überlebende Ehe- / Lebenspartner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, die nach dem Tod des versicherten Partners nicht wieder geheiratet bzw. keine eingetragene Lebenspartnerschaft gegründet haben. Die allgemeine Wartezeit beträgt allerdings fünf Jahre. Zusätzlich werden Renten wegen Todes auch als Waisenrenten geleistet. Die Rente wegen Todes ist immer noch eine wichtige Rentenart für Frauen, solange sie über Erwerbstätigkeit nicht gleichermaßen wie Männer eigenständige Renten aufbauen können.
Für Ehepaare, die nach dem 31.12.2001 geheiratet haben oder bei denen beide Partner am 1.1.2002 noch unter 40 Jahre alt waren, gibt es ein neues Recht. Deshalb sollten sich zu diesen Themen unbedingt von unseren ehrenamtlichen Versichertenberaterinnen und Versichertenberater sowie den Versichertenältesten beraten lassen. Infos dazu erhalten sie in jeder Geschäftsstelle von ver.di.