Sonderregelungen für junge Menschen unter 25 Jahren  (§ 3 Abs. 2 SGB II)

Das Gesetz sieht eine besondere Diskriminierung  derjenigen vor, die zwischen 15 und 25 Jahre alt und arbeitslos sind, weil sie z.B. keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Im Kern wird das grundgesetzlich garantierte Recht auf freie Berufswahl für diese Personengruppe ausgehebelt und das Recht auf eine eigenständige Lebensführung (nämlich eigenes Geld und Unabhängigkeit von den Eltern, Verwirklichung der eigenen Vorstellungen und Orientierungen) eingeschränkt.

Wer 15 Jahre oder älter ist und arbeitslos ist, hat einen Anspruch auf Alg II. Jede Arbeit oder Arbeitsgelegenheit, die vom Fallmanager vorgeschlagen wird, muss angenommen werden.

Wenn Sie sich direkt nach dem Studium arbeitslos melden, wird keine Rücksicht auf Ihren Studienabschluss genommen und Sie erhalten auch keine „Suchphase“. Wenn unter 25-jährige erwerbsfähige Arbeitslose mit einem arbeitslosen Elternteil zusammenleben und dieser einen Antrag auf Alg II stellt, gilt die verschärfte Arbeitspflicht auch. Als Mitglied der Bedarfsgemeinschaft sind Sie an den Antrag gebunden, den Ihre  Eltern stellen bzw. ein Elternteil stellt.

Wenn Sie alleine leben und auf die Leistungen nach dem SGB II angewiesen sind, müssen Sie sofort (!) jede Arbeit, Ausbildung oder ausbildungsähnliche Maßnahme, jede Arbeitsgelegenheit, die Ihnen angeboten wird, annehmen. Sie können nur geltend machen, dass  Sie dazu körperlich, geistig oder seelisch nicht in der Lage sind. Sie haben kein Recht auf eine Berufsausbildung, geschweige denn auf eine Berufsausbildung, die Ihren Neigungen entspricht. Vielmehr soll die Sofortvermittlung Sie daran hindern erwerbslos zu werden bzw. zu sein, und wenn Sie dazu auch den allerletzten Job oder die unsinnigste Berufsbildungsmaßnahme annehmen müssen. Tipp: Bevor sie zum Amt gehen, klären Sie für sich, ob Sie eine Berufsausbildung machen wollen und wenn ja welche. Sammeln Sie Argumente, warum Sie für diese Ausbildung besonders geeignet sind.

Achtung: Für erwerbsfähige Alg II-Bezieher bis zum 25. Lebensjahr gelten verschärfte Sonderregelungen. Bei schweren Pflichtverletzungen gilt: Sie erhalten bereits bei einer ersten Pflichtverletzung mit Ausnahme der Kosten für Unterkunft und Heizung keine Geldleistungen. Das Amt zahlt die angemessen Kosten für Unterkunft und Heizung in dieser Zeit direkt an den Vermieter. Bei einer wiederholten Pflichtverletzung innerhalb eines Jahres fällt das Alg II einschließlich der Kosten der Unterkunft vollständig weg. Wenn der Jugendliche zwischenzeitlich das 25. Lebensjahr vollendet hat, kann die Pflichtverletzung eine Minderung um 60 % der Regelleistung betragen, s. oben. Ergänzende Sachleistungen können auch bei wiederholter Pflichtverletzung gewährt werden, dabei handelt es sich i.d.R. um Lebensmittelgutscheine, deren Wert auf max. 135 EUR monatlich begrenzt ist.