Geld für die Haushaltskasse

Viele Beschäftigte können ergänzend zu ihrem Lohn eine Sozialleistung erhalten und Langzeitkranke müssen nicht zu Sozialamt!

- wenn sie ihre Ansprüche kennen.
Nur jeder zweite Arbeitnehmer, der einen Rechtsanspruch auf eine ergänzende Sozialleistung zum Lohn hat, stellt auch einen Antrag. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein wichtiger Grund ist, dass viele Beschäftigte gar nicht wissen, was Ihnen zusteht und wie sie eine Sozialleistung bekommen können. Informationen können dann bares Geld wert sein.

In Frage kommen das Wohngeld, also ein Zuschuss zu den Wohnkosten sowie der Kinderzuschlag, der zusätzlich zum Kindergeld gezahlt wird. Oftmals besteht auch ein Anspruch auf aufstockende Hartz-IV-Leistungen. Denn Hartz IV ist keineswegs eine Sozialleistung für Langzeiterwerbslose, sondern für alle, die arbeiten können oder arbeiten und deren Einkommen nicht für den Lebensunterhalt reicht.

Sozialeistungen sind keine Almosen, sondern es bestehen Rechtsansprüche darauf. Dabei geht es um richtig viel Geld. Oftmals bestehen Ansprüche auf 100 Euro und mehr zusätzlich im Monat.

Wann lohnt ein Antrag auf Sozialleistungen?
Wenn das Einkommen unter den nachstehenden Werten liegt, besteht wahrscheinlich ein Anspruch auf eine Sozialleistung. Im konkreten Einzelfall ist vor allem die Höhe der Miete entscheidend für einen Anspruch.

Monatliches Netto-Haushaltseinkommen
unter…
                    Beispiel Berlin
Ein-Personen-Haushalt       1.030 €   
Alleinerziehende, 1 Kind    1.380 €  
(Ehe)Paar ohne Kind         1.410 €
(Ehe)Paar, 1 Kind           1.630 €  
(Ehe)Paar, 2 Kinder         1.930 €  

Mach Dich schlau und verschenke kein Geld! Was kann es geben?
Wohngeld: Ein Zuschuss zur Miete beziehungsweise zu den Kosten einer selbstgenutzten Immobilie.

Kinderzuschlag: Maximal 140 Euro pro Kind und Monat, wird zusätzlich zum Kindergeld gezahlt. Gut möglich, dass Dir eine ergänzende Sozialleistung zusteht.

„Hartz IV“: Ausgezahlt wird die Differenz zwischen dem eigenem Einkommen und dem Geldbetrag, den der Gesetzgeber Erwerbstätigen zum Leben zugesteht. Gemeint ist jeweils die Summe aller vorhandenen Einkünfte und Einnahmen mit Ausnahme des Kindergeldes. Ob tatsächlich ein Anspruch besteht, hängt neben dem vorhandenen Einkommen vor allem von der Höhe der Miete ab.

Du hast ein wenig gespart und denkst, dass dir deshalb sowieso keine Sozialleistung zusteht? Stimmt nicht, denn kleinere Ersparnisse sind erlaubt. So darf beispielsweise bei Hartz IV jede erwerbsfähige Person im Haushalt ein angemessenes Kfz (bis 7.500 €) haben und es gibt einen allgemeinen Vermögensfreibetrag, der vom Alter abhängt. Für eine 45-Jährige liegt dieser bei 6.750 €.
Du hast schon viel Schlechtes über Hartz IV gehört und willst damit nichts zu tun haben? Wir empfehlen: Lass zunächst prüfen, wie viel Dir zusteht. Danach kannst Du abwägen, ob Du die mit dem Leistungsbezug verbundenen Pflichten eingehen willst. Und anstelle von Hartz IV kann ja vielleicht auch ein Anspruch auf Wohngeld oder den Kinderzuschlag bestehen. Bei diesen beiden Leistungen gibt es keine Pflichten wie etwa die Meldetermine bei Hartz IV.
Also: Kein Geld verschenken! Informiere Dich und lass prüfen, was Dir zusteht.

Arbeitslosengeld für Langzeitkranke

Wer aus gesundheitlichen Gründen gar nicht mehr arbeiten kann, kann trotzdem einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

Viele Langzeitkranke machen sich Sorgen: Wie geht es weiter, wenn der Krankengeldanspruch bald ausläuft? Was tun, wenn die gesundheitliche Situation unklar ist, eine Erwerbsminderungsrente noch nicht bewilligt wurde oder noch gar nicht beantragt? Gut zu wissen: Unter Umständen springt die Arbeitsagentur als Lückenbüßer ein und zahlt Arbeitslosengeld (ALG). Diese Sonderregelung ist leider kaum bekannt. Sie heißt „Nahtlosigkeit“ und steht im Paragrafen 145 Sozialgesetzbuch (SGB) III. Kranke sollen „nahtlos“ – also ohne Lücken und ohne Gang zum Sozialamt – Leistungen beziehen können. Dabei wird eine zentrale Voraussetzung für das ALG, nämlich für den Arbeitsmarkt verfügbar zu sein, außer Kraft gesetzt.
Wann gilt die Sonderegel?
• Alle anderen Voraussetzungen für den Bezug von ALG müssen erfüllt sein: Es muss also entweder noch ein unverbrauchter Restanspruch auf ALG bestehen oder ein neuer Anspruch erworben worden sein, indem mindestens 12 Versicherungsmonate in den letzten zwei Jahren angesammelt wurden. Wer nach 78 Wochen Krankengeld-Bezug „ausgesteuert“ wird, erfüllt dies aber automatisch, da für die Anwartschaft sowohl Zeiten einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung als auch der Krankengeldbezug mitzählen.
• Der Kranke muss grundsätzlich weiterhin arbeiten wollen („Ich will arbeiten, soweit ich kann.“)
• Der Kranke ist nicht in der Lage, mindestens 15 Wochenstunden zu arbeiten.
• Die Krankheit dauert voraussichtlich länger als sechs Monate. Hierzu hat das Bundessozialgericht eine günstige Vorgabe gemacht: Die Arbeitsagentur darf nur ablehnen, wenn zweifelsfrei gesichert ist, dass die Krankheit innerhalb von sechs Monaten ausgeheilt werden kann.
• Der Kranke muss unter Umständen eine medizinische Reha beantragen und bei der Feststellung einer Erwerbsminderung mitwirken.
Wie lange gibt es ALG?
• Höchstens bis der Rentenversicherungsträger feststellt, das der Kranke erwerbsgemindert ist und wöchentlich nicht mehr mindestens 1 5 Stunden arbeiten kann.
• Bis die maximale Bezugsdauer des ALG aufgebraucht ist. ALG wird längstens für 12 Monate gezahlt, für Ältere längstens 24 Monate.
Wie hoch ist das ALG?
Bei der Nahtlosigkeits-Regel wird der reguläre ALG-Anspruch, also 60 Prozent vom Netto oder 67 Prozent mit Kind, ohne Abstriche ausgezahlt. Einige Arbeitsagenturen verweisen neuerdings auf Hartz IV, bis die medizinische Begutachtung stattfindet. Wir halten dies für rechtswidrig. Das ALG muss zumindest vorläufig gewährt werden.