Probleme beim Zustandekommen der Eingliederungsvereinbarung: 
Die Eingliederungsvereinbarung ist ein öffentlich-rechtlicher Vertrag. Sie können gegen eine Eingliederungsvereinbarung keinen Widerspruch einlegen. Ein Widerspruch ist erst gegen den Verwaltungsakt (Bescheid) möglich, den Sie bekommen, wenn Sie keine Eingliederungsvereinbarung abschließen oder gegen die Leistungskürzung (Sanktion), wenn Sie ihren Pflichten nicht nachkommen – also erst dann, „wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Vereinbarung nicht einfach nur unterschreiben, sondern sich über die Inhalte und Folgen genau im Klaren sind.

- Sollten Sie mit Ihren Argumenten den Fallmanager nicht überzeugen, bitten Sie um Vertagung des Gesprächs und suchen Sie neue Argumente, mit denen Sie den Fallmanager überzeugen könnten. Suchen Sie auch eine Beratungsstelle auf, die Ihnen dabei weiterhelfen kann.

- Sofern es zu grundsätzlichen Meinungsunterschieden kommt, sollten Sie sich an den Teamleiter oder Vorgesetzten wenden. Wichtig ist, dass Sie nicht allein sind und jemand das Gespräch bezeugen kann.

Folgen einer nicht unterschriebenen Vereinbarung. Bei der Weigerung eine Eingliederungsvereinbarung abzuschließen, liegt kein Sanktionstatbestand mehr vor. In der Praxis wird von den Ämtern jedoch weiter sanktioniert. Die Vereinbarung soll dann durch einen Verwaltungsakt angeordnet werden. Damit werden Sie  unter Druck gesetzt, was rechtliche Bedenken auslöst.

Legen Sie Widerspruch gegen den Verwaltungsakt ein und beantragen Sie beim Sozialgericht, dass ihr Widerspruch aufschiebende Wirkung haben soll, d.h. die Vollziehung des Verwaltungsaktes ausgesetzt werden soll. Die Chancen für einen Erfolg vor Gericht stehen ganz gut, da in den Eingliederungsvereinbarungen oft formale Fehler  sind, z.B. sind die Pflichten oft zu unbestimmt formuliert.

Letztlich bleibt aber da wo weiter sanktioniert wird, der Umgang mit Eingliederungsvereinbarungen ein großes Dilemma: „Denn wie man es auch macht, ist es verkehrt.“ Wer sich gegen überzogene Pflichten oder perspektivlose Maßnahmen wehren will, hat zwei Möglichkeiten. Beide sind nicht ohne Risiken:

1. Möglichkeit: Sie verhandeln offensiv, unterschreiben aber letztlich die Eingliederungsvereinbarung. Anschließend beantragen Sie schriftlich Änderungen (etwa dass Sie statt der vorgesehenen Arbeitsgelegenheit eine Weiterbildung bekommen möchten) und bitten um einen schriftlichen Bescheid. Diesen – voraussichtlich – ablehnenden Bescheid können Sie dann mit Widerspruch und Klage anfechten und so indirekt auch den Inhalt Ihrer Eingliederungsvereinbarung vor Gericht überprüfen lassen. Vorteil: Sie bekommen keine Kürzung, da Sie sich ja nicht „verweigert“ haben.

Nachteil:
Eventuell ignoriert das Amt Ihren Änderungsantrag und lässt Sie „ins Leere laufen“. Oder das Amt zieht sich auf den Standpunkt zurück, dass Änderungen an der Eingliederungsvereinbarung nur möglich seien, wenn sich ein Sachverhalt geändert hat oder sich die zugrunde liegenden Annahmen als falsch herausstellen – bei Ihnen sei jedoch alles „beim Alten“ geblieben.

2. Möglichkeit: Sie unterschreiben nichts, was Sie nicht erfüllen können oder wollen oder als nicht hilfreich für das Finden einer Arbeit ansehen. Vorteil: Sie bringen Ihren Standpunkt klar zum Ausdruck. Aber: Die Auflagen aus der Eingliederungsvereinbarung sind nicht vom Tisch. Das Amt wird sie per Verwaltungsakt anordnen. Spätestens dann müssen Sie die Auflagen befolgen, weil ansonsten eine Kürzung der Regelleistung droht, die niemand so leicht verkraften kann.

Folgen einer nicht eingehaltenen Vereinbarung. 
Wenn Sie die in Ihrer Eingliederungsvereinbarung festgelegten Pflichten, z.B. Nachweis von Eigenbemühungen, nicht einhalten ohne einen wichtigen Grund zu haben, wird Ihre Regelleistung in der ersten Stufe für drei Monate um 30 % gekürzt. Bei einer ersten wiederholten Ablehnung einer zumutbaren Arbeit oder gleichartiger Pflichten innerhalb einer laufenden Ein-Jahresfrist (Zählwirkungszeit) beträgt der Kürzungssatz des ALG II 60% der Regelleistung (verschärfte Sanktionsstufe)

Bei einer zweiten und jeder weiteren wiederholten Ablehnung innerhalb einer Ein-Jahresfrist fallen die ALG II Leistungen vollständig weg (100% Kürzung), auch die Leistungen für Unterkunft und Heizung (gesteigerte verschärfte Sanktionsstufe). Informieren Sie das Amt über Ihre Hinderungsgründe, statt den Kürzungsbescheid abzuwarten. Sollten Ihre Gründe nicht berücksichtigt werden, legen Sie Widerspruch ein und nennen Sie Ihre wichtigen Gründe. Suchen Sie eine Beratungsstelle auf, die Ihnen bei der Formulierung der wichtigen Gründe hilft. Auch hier ist ein Antrag beim Sozialgericht auf Herstellung der aufschiebenden Wirkung Ihres Widerspruchs notwendig, damit die Kürzung nicht direkt wirkt.