Kinderzuschlag statt „Hartz IV“

Viele Geringverdiener beantragen kein Hartz IV, obwohl sie einen Rechtsanspruch auf aufstockende Leistungen haben. Ein Grund dafür ist: Viele Arbeitnehmer wollen nicht in die „Hartz-IV-Mühle“ geraten. Für einige Familien kann der so genannte „Kinderzuschlag“ ein Weg sein, um die Haushaltskasse aufzubessern – ohne etwas mit Hartz IV zu tun zu haben.

Anträge: http://mittelhessen.verdi.de/sozialberatung/antraege/kinder

Wer?
Einen Anspruch können Eltern oder Alleinerziehende haben, die mit mindestens einem Kind zusammen wohnen, für das sie auch Kindergeld bekommen. Das Kind muss unverheiratet und unter 25 Jahre alt sein. Zudem müssen die Eltern mindestens 900 Euro brutto eigenes Einkommen haben, Alleinerziehende 600 Euro brutto. Das ist aber nur die erste, formale Hürde. Meist muss das Einkommen höher sein, damit der Kinderzuschlag tatsächlich in Frage kommt.

Was?
Den Kinderzuschlag gibt es zusätzlich zum Kindergeld. Er ist gedacht für Geringverdiener, deren Einkommen für den eigenen Lebensunterhalt reicht, die aber um ihre Kinder versorgen zu können, ansonsten „Hartz IV“ beantragen müssten. Der Zuschlag ist so gestrickt, dass er mit dem Lohn, dem Kindergeld und dem Wohngeld insgesamt ein Einkommen ergeben soll, das über dem Hartz-V - Niveau liegt.

Wie viel?
Der Zuschlag beträgt höchstens 140 Euro pro Kind. Er wird monatlich zusammen mit dem Kindergeld ausgezahlt. Haben die Kinder eigenes Einkommen wie etwa eine Ausbildungsvergütung, Unterhalt oder Unterhaltsvorschuss, dann wird der Zuschlag um das Einkommen gekürzt – oftmals auf Null. Daher kommt der Kinderzuschlag vor allem in Frage, wenn die Kinder kein eigenes Einkommen haben. Liegt der Lohn der Eltern über einer bestimmten Grenze, dann werden die 140 Euro nicht vollständig ausgezahlt sondern nur ein gekürzter Betrag.

Warum besser als „Hartz IV“?
Man ist nicht am Gängelband der Hartz-IV-Behörde! Man muss keine Einladungen zu Terminen befolgen, keine Maßnahmen mitmachen, keine 1-Euro-Jobs ausführen usw. Auch ist das Familien-Einkommen meistens (etwas) höher als bei Arbeitnehmern, die aufstockend Hartz IV beziehen müssen. Bei Alleinerziehenden ist allerdings oftmals das Einkommen im Hartz-IV-Bezug höher. Sie können zwar unter Umständen Kinderzuschlag statt Hartz IV beziehen, um der „Gängelung“ zu entkommen. Sie verzichten dann aber auf einen besonderen Mehrbedarf, der ihnen bei Hartz IV zusteht.

Wo beantragen?
Zuständig sind die Familienkassen der Arbeitsagenturen – also die Stelle, die auch das Kindergeld auszahlt.

Wann lohnt ein Antrag?
Ob tatsächlich ein Anspruch besteht und wie hoch dieser ist, das hängt von vielen Faktoren ab (Miete, Alter der Kinder u.a.m.). Wir empfehlen, den Zuschlag zu beantragen – oder zumindest einen möglichen Anspruch näher prüfen zu lassen.