Eingliederungsvereinbarung   Zu Ihren Pflichten gehört es, dass Sie eine - nicht mehrere -Eingliederungsvereinbarung abschließen müssen (§ 2 Abs. 1 SGB II). Sie soll für 6 Monate abgeschlossen werden (§ 65 Abs. 6 SGB II). In dieser Vereinbarung soll festgeschrieben werden,
1. welche Eingliederungsleistungen das Amt oder der entsprechende Träger erbringt,
2. welche Bemühungen Sie in welcher Häufigkeit mindestens unternehmen müssen und wie der Nachweis darüber aussehen soll.
Wird in die Vereinbarung eine Bildungsmaßnahme aufgenommen, so muss festgelegt werden, wie die Schadensersatzpflicht aussieht, wenn Sie die Maßnahme durch Ihr Verschulden nicht beenden (§ 15 SGB II). Die Erfahrungen mit Eingliederungsvereinbarungen zeigen, dass meist für die Erwerbslosen eine Menge von Pflichten festgelegt wird, während auf Seiten des Amtes die Angebote ziemlich allgemein gehalten sind. Da eine Nichtbefolgung der in der Eingliederungsvereinbarung festgelegten Maßnahmen mit Leistungskürzungen verbunden ist, ist es wichtig, dass Sie genau darauf achten, wie diese Vereinbarung aussieht. Fordern und Fördern Sie das Amt: Bevor Ihr Fallmanager Ihnen vorschlägt, was Sie machen sollen, sollten Sie sich genau überlegt haben, was Sie wollen und warum Ihre Überlegungen zu Ihrer Eingliederung wichtig sind. Bei Ihren Überlegungen sollten Sie auch Ihre Neigungen, Wünsche und Vorstellungen mit einbeziehen (siehe unten: Eingliederungsleistungen). Tipp: Verhandeln Sie offensiv. Sammeln Sie Argumente, wie Sie durch die Verwirklichung Ihrer Überlegungen aus dem Alg II-Bezug herauskommen könnten. Sie haben auch das Recht, eine Person Ihres Vertrauens – einen Beistand – zu den Gesprächen beim Amt mitzunehmen.

- Auch bei der Eingliederungsvereinbarung muss darauf geachtet werden, dass Ihre Erwerbsfähigkeit erhalten, verbessert oder wieder hergestellt wird. Dazu gehört z.B., dass nach einer langjährigen Berufsausbildung eine berufsfremde Arbeit nicht sofort in Betracht kommen würde. Dazu gehört aber auch, dass Sie Ihre Arbeitssuche nur auf solche Arbeitsverhältnisse beschränken könnten, für die Sie geeignet sind. Tipp:  Versuchen Sie zunächst, einen angemessenen Zeitraum für Ihre Eigenbemühungen und Selbstsuche von Arbeit durchzusetzen.

- Wenn Sie allein erziehend sind, müssen Ihre besonderen familienspezifischen Verhältnisse berücksichtigt werden. Sollte Ihr Kind z.B. Probleme mit der Schule haben und Ihrer besonderen Fürsorge bedürfen, muss dies bei der Vereinbarung Ihrer Pflichten berücksichtigt werden.
Tipp: Achten Sie darauf, dass für Sie nur Bewerbungen um Arbeitsplätze in Frage kommen, die mit Ihren Erziehungspflichten vereinbar sind. Versuchen Sie dies in der Vereinbarung festzuschreiben. Haben Sie Probleme mit der Kinderbetreuung, schildern Sie Ihrem Fallmanager diese Schwierigkeiten und fordern Sie entsprechende Unterstützung ein.

- Wenn Sie sich bewerben sollen, müssen Ihre persönlichen Lebensumstände, z.B. auch das Alter berücksichtigt werden. Klären Sie unbedingt bevor Sie unterschreiben, warum eine bestimmte Anzahl von Bewerbungen vorgelegt werden soll, bei welchen Firmen diese geschehen sollen und wie Sie die Nachweise zu erbringen haben. (Lesen Sie dazu mehr unter Bewerbungspflicht in diesem Kapitel)

- Zu den Eingliederungsleistungen gehören auch Bildungsmaßnahmen und berufliche Weiterbildung. Sie haben jedoch keinen Rechtsanspruch darauf, sondern es handelt sich um eine Ermessensleistung. Dabei spielen auch die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel eine Rolle. Da schon Arbeitslosengeldbezieher/innen nur noch unter großen Schwierigkeiten eine Bildungsmaßnahme erhalten, können sich Alg II-Bezieher/innen noch weniger Chancen ausrechnen.

Versuchen Sie trotzdem, ob Sie eine sinnvolle Maßnahme durchsetzen können.

Wichtig:

- Erhalten Sie eine mündliche Zusage, sollten Sie sich diese unbedingt schriftlich bestätigen lassen. Leider ist es die bittere Erfahrung, dass mündliche Zusagen oft nicht eingehalten werden oder Vertretungspersonen eine andere Meinung haben.

- Nehmen Sie immer eine Person Ihres Vertrauens mit.

- Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie nichts unterschreiben. Nehmen Sie den Vordruck mit nach Hause und sagen Sie, dass Sie Bedenkzeit brauchen.