Bewerbungspflicht:
Aus der Arbeitspflicht wird eine Bewerbungspflicht abgeleitet. Von vielen wird pauschal die Vorlage von 10 bis 15 Bewerbungsnachweisen im Monat verlangt, manche Sachbearbeiter/innen verlangen Bewerbungsbemühungen neben einer Maßnahme. Wichtig: Auch wenn Sie sich nur arbeitslos melden, obwohl Sie keine Leistungen bekommen, dies aber wegen der Anwartschaftszeiten für Ihre Rente wichtig ist, können Bewerbungsnachweise verlangt werden!

Auch wenn eine prinzipielle Arbeitsuche verlangt wird, muss sich diese an Ihrem konkreten Einzelfall ausrichten. Durch die gesetzlich vorgegebenen Grundsätze für die Eingliederung, die vom Amt aus beachtet werden müssen, steht Ihr besonderer Einzelfall im Mittelpunkt. Wie viele Bewerbungen vorgelegt werden sollen, muss sich also an Ihrer persönlichen Situation orientieren. Da es keine allgemeine Verfügbarkeitsregelung mehr gibt, müssen sich die Fallmanager mit Ihrer besonderen Einzelsituation beschäftigen.
Die Anforderungen an Ihre Bewerbungspflichten dürfen nicht „überspannt“ werden. Bei der Intensität der Bemühungen müssen einmal die Umstände des Einzelfalles, d.h. die persönlichen, gesundheitlichen und familiären Verhältnisse, die Arbeitsfähigkeit, aber auch die Arbeitsmarktlage und die Erfolgsaussichten der Bewerbungen berücksichtigt werden. „Bemüht ein Hilfesuchender sich nach einer solchen, in seinem Fall berechtigten Aufforderung ernsthaft und zielstrebig selbst um Arbeit, kann von einer Weigerung nicht gesprochen werden. Das gilt auch dann, wenn die eigene Arbeitsuche noch intensiver hätte ausfallen können.“ 

Das Sozialgericht Berlin betont, dass die Vermittlungsfähigkeit und dementsprechend die Arbeitsmarktchancen den Umfang der Eigenbemühungen bestimmen (Urteil vom 15.01.2002). Bei der Vermittlungsfähigkeit sind die für die Vermittlung wichtigen Kriterien wie insbesondere Alter, Qualifikation und aktuelle Kenntnisse zu berücksichtigen. Danach wäre es unverhältnismäßig, wenn von einem 55-jährigen Metallarbeiter mit Familie und Eigenheim pauschal monatlich eine bestimmte Anzahl von Bewerbungen verlangt wird, ohne dass seine Arbeitsmarktchancen sowie die individuelle und familiäre Situation berücksichtigt würden.

Unzulässig wäre es auch, wenn der Fallmanager nur zum Nachweis der Aktivierung Bewerbungsnachweise von Ihnen verlangt. Diese müssen mit Eingliederungschancen verbunden sein. Wichtig: Betreiben Sie keinen blinden Bewerbungsaktionismus! Nicht auf die Menge kommt es an, die Erfolgsaussichten in Bezug auf die Eingliederung sind entscheidend. Bei der Anforderung an die Nachweispflicht müssen ebenfalls die besonderen Verhältnisse des Arbeitsmarktes berücksichtigt werden. In den seltensten Fällen können nämlich schriftliche Absagen vorgelegt werden. Gang und gäbe sind telefonische oder persönliche Kontakte. Oft ergibt auch die Stellensuche z.B. in Zeitungen oder Internet keine Bewerbungsmöglichkeiten.   Dokumentieren Sie Ihre eigenständige Arbeitsuche (z.B. bescheinigte Nachfragen bei und Absagen von Arbeitgebern oder einfach durch eine Auflistung der von Ihnen vorgenommenen Anstrengungen).

Die Folgen unzureichender Bewerbungen: Wenn Sie Ihre Bewerbungsbemühungen bis zu einem bestimmten Termin nachweisen sollen und Sie tun das ohne wichtigen Grund nicht, erhalten Sie eine erste Kürzung Ihrer Regelleistung um 30 %. Voraussetzung ist, dass Sie gegen die in der Eingliederungsvereinbarung festgelegten Pflichten verstoßen ohne einen wichtigen Grund zu haben. Das gilt auch, wenn Sie als Arbeitslosengeldbezieher/in künftig wegen fehlender Eigenbemühungen eine Sperrzeit bekommen und deshalb ergänzendes Alg II beantragen müssen.  Die Kürzung gilt für drei Monate und kann durch weitere fehlende Eigenbemühungen noch erhöht, aber auch verlängert werden.

Tipp: Wenn Sie sich bewerben sollen, verlangen Sie die Finanzierung Ihrer Kosten. Mit Ihrem Alg II können Sie keine Bewerbungen finanzieren. Stellen Sie eine Musterbewerbung zusammen und errechnen Sie daraus die Kosten. Sie können auf Antrag die Kosten der Bewerbungen vom Amt erhalten, die in der Regel jedoch nicht ausreichen. Der Antrag muss jedoch gestellt werden, bevor die Kosten anfallen, rückwirkend gibt es kein Geld. Die Übernahme der Bewerbungskosten gehört zu den Leistungen der Eingliederung. Das Amt darf nur so viele Bewerbungen verlangen, wie es die Kosten dafür übernimmt.

Stellen Sie zusätzlich einen Antrag für entsprechende Kleidung für Vorstellungsgespräche, für Mappen, Klarsichthüllen, Briefpapier, Umschläge, Kopien, Passfotos, zusätzliche Telefon- und Fahrtkosten, Porto, für eigenes Werkzeug bei Berufen, wo das vorausgesetzt wird usw.