Ist es noch sinnvoll bei Arbeitslosigkeit eine Schwerbehinderung zu beantragen?
Ja, in jedem Fall
Abgrenzung: Schwerbehinderung ist nicht (automatisch) Leistungsminderung! Es greift nicht (automatisch) der  § 150 (5) SGB III!

Schwerbehinderung kann immer als Ausschluss von bestimmten Tätigkeiten, als besondere Bedarfssituation definiert werden. Immer darauf bestehen, dass genügend Tätigkeiten auch in Vollzeit ausgeführt werden können.
Die Leistungsträger (SGB II & SGB III) sind hier sehr vorsichtig.

* Es erfolgt mitunter eine arbeitsmedizinische Untersuchung, doch eine Herabstufung muss auch vor dem RV-Träger bestehen.

* Schwerbehinderung schützt ganz gut:
- vor besonders aggressiven ordnungspolitischen Maßnahmen nach §§ 45 ff SGB III
- vor übertriebenen Zumutbarkeitsanforderungen nach § 140 SGB III und § 10 SGB II
- vor der Aggressivität des SGB II insgesamt 
- vor übertriebenen Mobilitätsanforderungen


Was versteht man unter Gleichstellung?
Personen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber mindestens 30, können auf Antrag von der Agentur für Arbeit  schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder behalten können. § 2 Abs. 3 i.V.m. § 68 Abs. 2 u. 3 SGB IX

Mit einer Gleichstellung erlangt man fast den gleichen „Status" wie schwerbehinderte Menschen.

Auswirkungen:
- besonderer Kündigungsschutz,
-  besondere Einstellungs-/ Beschäftigungsanreize für Arbeitgeber durch Lohnkostenzuschüsse sowie 
- Berücksichtigung bei der Beschäftigungspflicht,
- Hilfen zur Arbeitsplatzausstattung,
- Betreuung durch spezielle Fachdienste.

Jedoch nicht: Zusatzurlaub, unentgeltliche Beförderung und besondere Altersrente.  Ein Antrag auf Gleichstellung kann formlos (mündlich, telefonisch oder schriftlich)  bei der Agentur für Arbeit gestellt werden.