11. Antragstellung   Wenn Sie noch keinen Antrag gestellt haben, können Sie die Zuständigkeit beim örtlichen Amt oder auch einer anderen Behörde erfragen. Auch Beratungsstellen können Ihnen da weiterhelfen. Der Wohnsitz bestimmt die örtliche Zuständigkeit des Leistungsträgers. Wer zuständig ist und welche Adresse maßgeblich ist, können Sie dann aus Ihrem Alg II–Bescheid entnehmen. Lesen Sie unbedingt die Adresse auf den Schreiben und Bescheiden. Für die Höhe der Ihnen zustehenden  Regelleistung o. Sozialgeld spielt der Wohnort keine Rolle. Die  „Kosten der Unterkunft (KdU)“ sind unterschiedlich hoch, sie sind nicht bundesweit einheitlich geregelt. Sie sollten immer genau darauf achten,  wer in Ihrem Bescheid als zuständiger Ansprechpartner auftaucht. Wenn es um Terminsachen, wie Widerspruchsfrist geht, ist es wichtig, den richtigen Adressaten zu kennen.

Der Antrag Alg II erhalten Sie nur, wenn Sie einen Antrag gestellt haben (§ 37 SGB II). Wenn Ihr Arbeitslosengeld I also ausläuft oder Sie keinen Anspruch darauf erworben haben, müssen Sie einen Antrag auf Alg II stellen. Auch wenn Sie allein erziehend sind und der Unterhalt des Vaters ausbleibt, müssen Sie unbedingt sofort zum Amt. Ein Antrag wirkt auf den ersten des Monats zurück, allerdingst werden auch Einkünfte aus diesem Zeitraum angerechnet.

Wichtig: Nicht nur wenn das Arbeitslosengeld I ausläuft, sondern immer dann, wenn sich Ihre Einkommenssituation nachteilig verändert, sollten Sie umgehend einen Antrag auf Alg II stellen. Auch wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie berechtigt sind, schadet ein Antrag nichts. Sind Sie nicht bedürftig oder erfüllen aus anderen Gründen nicht die Voraussetzung für Alg II, wird Ihr Antrag abgelehnt. Ringen Sie sich erst später zu einem Antrag durch, erhalten Sie kein Geld nachgezahlt und Sie haben möglicherweise Schulden gemacht, die Sie nun mit sich herumschleppen, weil sie hier nicht berücksichtigt werden. Stellen Sie auf jeden Fall einen Antrag, auch wenn Sie noch nicht alle Unterlagen zusammen haben oder Ihre Situation unklar ist. Stellt sich heraus, dass Sie doch kein Alg II bekommen, hat sich Ihr Antrag erübrigt. Stellt sich hingegen heraus, dass Sie hilfebedürftig sind, bekommen Sie Geld ab dem Monat der Antragstellung.

In einem Ausnahmefall ist eine nachholende Antragstellung möglich. Haben Sie irrtümlich die falsche Leistung beantragt, z.B. Alg I und erfahren nach drei Monaten, dass Sie die Anspruchsvoraussetzungen gar nicht erfüllen, können Sie nun Alg II beantragen und erhalten dieses für die drei Monate rückwirkend. Diese Antragstellung muss aber unverzüglich erfolgen.

Tipp: Stellen Sie einen Antrag, auch wenn Sie erwerbstätig sind und Ihr Geld nicht zum Leben ausreicht. Aber: Alg II-Bezieher/innen unterliegen vielfältigen Kontrollen, Auflagen und Verpflichtungen. Im Einzelfall kann es daher manchmal günstiger sein, auf einen bestehenden Anspruch auf ergänzendes Alg II zu verzichten und statt dessen von eigenem Einkommen plus Wohngeld und gegebenenfalls Kindergeld plus Kinderzuschlag zu leben.

Entscheidend für die Zahlung ist das Antragsdatum. Wenn Sie bei Ihrem Antrag noch nicht alle Unterlagen zusammen haben, gilt trotzdem das Datum des Antrags. Unterlagen und Nachweise können Sie später einreichen. Je länger Sie den Gang zum Amt hinauszögern, desto später erhalten Sie die Unterstützung!
Tipps: Lassen Sie sich nicht abwimmeln und achten Sie darauf, dass eine Akte angelegt wird. Machen Sie sich selbst immer eine Kopie von Ihren Anträgen, damit Sie wissen, wann Sie was beantragt haben und kontrollieren können, ob Ihnen alles bewilligt worden ist. Falls in Ihrem Antrag durch die Behörde etwas geändert wurde, verlangen Sie eine Kopie (§ 25 Abs. 5 SGB X). Sie müssen nur die Informationen geben und die Unterlagen beibringen, die zur Bewilligung der Grundsicherung notwendig sind. Geben Sie nicht zu viel von Ihrer Situation preis. Ihre genauen Lebensumstände in epischer Ausführlichkeit gehen niemanden etwas an.